Ist BARF die einzig richtige Ernährung für unsere Hunde?

Eines der vielen Themen, welches unter Hundehaltern immer wieder hoch diskutiert wird, ist die richtige Ernährungsform unserer Hunde. Doch ist BARF hier wirklich das Non-Plus-Ultra?

Als Hundehalter des 21. Jahrhunderts kommt man früher oder später mit dem Thema Fütterung und sehr oft auch mit dem Thema BARF in Berührung. Viele Leute schrecken im ersten Moment davor zurück. Das soll gut sein? Ich habe bisher immer Discounterfutter gefüttert. Warum soll das besser sein? Das kann ja gar nicht sein! Diese und andere Fragen stellt man sich und kommt zu dem Schluss, dass Barfen nur Hokuspokus und völlig übertrieben wäre und der eigene Hund ja auch mit industriellem Fertigfutter gesund und glücklich ist. Oder?
Diese Art der Ablehnung gegenüber etwas Neuem, scheinbar Besserem, als das, was man selbst über Jahre im Glauben etwas Gutes zu tun, gemacht hat, nennt sich kognitive Dissonanz. Hier passen die eigenen Weltvorstellungen auf einmal nicht mehr mit der Realität überein. Das Gefühl ist unschön, fast schon erdrückend. 

Und da das Gehirn eigentlich keine negativen Gefühle mag, sucht es Ausreden und Argumente dafür, dass das eigene Weltbild nicht ins Wanken gebracht wird. 
Schafft man es aber, diese Einstellung zu überwinden und offen für etwas Neues zu sein, dann merkt man schnell, dass die Idee hinter BARF – sowas wie „back to the roots“ – gar nicht mal so übel ist. Auch uns Menschen wird eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit möglichst vielen frischen Zutaten empfohlen. Warum sollte das nicht auch für unsere Hunde der Fall sein? 

Gesunder Menschenverstand – könnte man meinen – sollte also eigentlich dazu führen, dass man seinen Hund barft. Was aber kommt hier dazwischen? Denn es werden in Deutschland gerade mal knapp 10 % der Hunde gebarft.

Argumente gegen das Barfen sind z. B.:

  • Keine Zeit zum Portionieren
  • Angst etwas falsch zu machen
  • Kein ausreichender Tiefkühlplatz 
  • Und leider sehr oft auch das Abraten vom Barfen von Tierärzten oder sogar Ernährungsexperten für Hunde

Und letzteres finde ich ziemlich traurig. Ich kann verstehen, wenn man nicht die Zeit oder sogar Lust hat, wenn man nicht den Platz hat oder sich unsicher ist. Aber, dass Tierärzte oder Hundeernährungsberater davon abraten, finde ich wirklich nicht schön. Als Argument wird hier oftmals gebracht, dass der Hund ja kein Wolf mehr ist, dass er ja nun besser Kohlehydrate verdauen kann, dass er an die Nahrung von uns gewöhnt ist. Und was soll ich sagen? Das ist natürlich größtenteils einfach nur falsch. Selbst wir sind nicht an unsere hochverarbeitete Nahrung gewöhnt. Selbst wir Menschen bekommen Verdauungsprobleme und Zivilisationskrankheitenvon unserem Nahrungsangebot, erst recht, wenn es vor allem aus Fertigprodukten besteht. Auch wir Menschen sollten uns gesünder ernähren und das nicht noch als Argument sehen,

unsere Tiere ebenfalls ungesund zu ernähren! Sicherlich fressen Hunde, wenn sie die Wahl haben auch Pizza, Nudeln und Brot – ich esse auch gerne Pizza, Nudeln und Brot, aber würde ich das nur essen, dann hätte ich ziemlich schnell diverse Nährstoffdefizite und langfristig würde ich sicherlich krank werden. Das gilt auch für unsere Hunde. 

Am Ende ist entscheidend, dass man ein vernünftiges Maß einhält – sowohl bei sich als auch bei unseren Hunden. Sicherlich darf auch mal der Pizzarand gesnackt werden und die Nudeln von gestern schmecken auch heute noch im Napf. Grundsätzlich machen diese aber keine gesunde Ernährung aus. Genau wie bei uns sollte die Grundlage aus artgerechten Bestandteilen bestehen!

Aber was ist denn jetzt artgerecht? 

Anders als wir Menschen als Omnivore mit Tendenz zu Herbivoren, sind unsere Hunde Carni-Omnivore oder fakultative Fleischfresser. Sie KÖNNEN auch pflanzliche Nahrung fressen, aber nicht so gut verwerten, wie z. B. eine Kuh (die nicht umsonst vier (4!) Mägen hat, um aus Gras überhaupt genügend Nährstoffe zu ziehen). Der Hund hat nur einen Magen und einen im Vergleich zu Pflanzenfressern extrem kurzen Darm – er hat also rein physiologisch schon nicht die Möglichkeiten, um mit pflanzlicher Nahrung allein zu überleben. Grund dafür sind nämlich die pflanzlichen Zellwände, welche die Verdauung erschweren und erst aufgebrochen werden müssen. Tierische Zellen besitzen keine Zellwand. Das allein ist die ganze Magie bei der Verdauung. Pflanzliche Zellen brauchen bei der Verdauung länger, bis die Nährstoffe verwertet werden können. That’s it. 

Diese Zeit haben aber unsere Hunde, auf Grund des immens kürzeren Verdauungstraktes nicht. Hinzu kommt, dass sie schlechter Amylase produzieren (das Enzym, welches Kohlenhydrate aka pflanzliche Zellen spaltet und die Verdauung von pflanzlichen Bestandteilen somit vereinfacht bzw. erst möglich macht). Sicherlich gibt es einige Hunderassen, die mittlerweile mehr Kopien des Amylase-Gens haben und damit besser Amylase herstellen können. Aber nur, weil etwas besser geht, heißt es nicht, dass es dadurch so gut geht, dass es für die Verdauung ausreicht. Wenn ich heute anfange, jeden Tag Fußball zu spielen, bin ich in einem Jahr definitiv besser als an dem Tag an dem ich angefangen habe, Real Madrid möchte dennoch keinen Vertrag mit mir. 


Es liegt also auf der Hand, dass Hunde nicht ausschließlich und auch nicht im Übermaß pflanzliche Kost erhalten sollten. Hunde ziehen ihre Nährstoffe und Energie vor allem aus Proteinen und Fetten tierischen Ursprungs, da ihr Verdauungstrakt nach wie vor hierfür besser ausgelegt ist. Nur ca. bis zu einem Drittel sollte aus pflanzlicher Nahrung bestehen, um Faserstoffe zuzuführen, welche die Verdauung unterstützen, indem sie die guten Darmbakterien nähren. 
Hier kommt noch hinzu, dass die Nahrungsbestandteile natürlich auch hochwertig sein sollten. Sehr bindegewebsreiche Bestandteile tierischen Ursprungs,

wie Kehlköpfe, Schlund, Schwarten, Euter, Lunge und Pansen sollten nicht oder nur zu kleinen Anteilen im Futter landen, da diese genau wie pflanzliche Komponenten schwerer verdaulich für unsere Hunde sind und zudem quasi keine Nährstoffe liefern. 

Welche Futtermittel sind dann überhaupt geeignet? 

Schaut man sich die Zusammensetzungen von herkömmlichen Nass- und Trockenfuttern einmal an, dann wird schnell klar, dass viele von ihnen leider nichts mit artgerechter Ernährung zutun haben. In den meisten Trockenfuttern ist es nun mal einfach so, dass Stärke aus Pflanzen als „Kleber“ gebraucht wird, damit die Brocken überhaupt zusammenhalten und nicht auseinanderfallen. Man kommt also um einen erhöhten pflanzlichen Anteil nicht herum. Auch viele günstige Nassfuttersorten sind auf Grund der ungenauen Deklarationen eher ungeeignet, denn unter dem Begriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ verstecken sich leider meist genau die genannten Komponenten, die man nicht in so großer Menge im Futter haben will. Frisches Muskelfleisch und hochwertige Innereien sucht man meist vergebens und was an Nährstoffen fehlt wird dann einfach synthetisch zugesetzt und das teilweise sogar noch mit Zusätzen, die im Humanbereich sogar schon verboten sind.

Also ist BARF die einzig wahre Alternative? 

Natürlich nicht. Mittlerweile gibt es zum Glück auch genügend Hersteller, die auf eine bessere Zusammensetzung achten, offen deklarieren und dementsprechend das Futter auch deutlich artgerechter machen. Aber auch hier gibt es leider nach wie vor immer noch Schlupflöcher und die Futtermittelindustrie möchte natürlich ihre Gewinnspanne so groß wie möglich halten. Wer sich also wirklich sicher sein, will, was im Napf seines Hundes landet, für den ist BARF eine gute und vor allem transparente Möglichkeit seinen Hund ausgewogen und artgerecht zu ernähren.

Schlussendlich liegt es an dir selbst, was dir am wichtigsten ist und auf welche Kriterien du beim Futter Acht gibst.